Perchten – Herkunft und Bedeutung

Der Name Perchten leitet sich ab vom Gefolge der Person, um die sich alles dreht und die im Mittelpunkt steht, nämlich Frau Percht. Die Erdgöttin Percht wachte über Gedeih und Verderb von Ernte und Vieh, über das Herdfeuer und die Arbeiten im Haus, kurz sie sorgte für den Fortbestand des Lebens. Es verwundert nicht, dass sie besonders wichtig wurde zu einer Zeit, in der die Ängste der Menschen um Nahrung, Wärme und Licht am größten waren: in der eisigen Winterszeit, wenn die Sonne tagtäglich tiefer stand und alles Lebendige für immer abzusterben drohte. Frau Percht galt als gütige, Glück und Fruchtbarkeit bringende Frau, solange sich die Menschen fleißig zeigten und die Feiertage heiligten. Wer aber Frevel beging oder sich vor der Arbeit drückte, dem begegnete sie grausam strafend. Aus diesem Grund wies sie zwei Gesichter auf, ein schönes und ein schreckliches. In der Vorweihnachtszeit bis hin zur Nacht auf Heiligdreikönig sieht man die Perchten mit ihren absonderlichen Gewändern und urigen Masken laufen. Schon von weitem sind sie zu hören mit ihren Trommeln und dem wilden Durcheinanderläuten ihrer Glocken. Bei ihren Umtrieben und Tänzen mischen sich verschiedene Vorstellungen zur winterlichen Jahreszeit und zur Wintersonnwende, wenn die Tage endlich wieder länger werden:

  • Durch den anhaltenden Lärm, das Spektakel und die furchterregenden Masken sollen (vergleichbar mit den Ursprüngen des Faschings) die bösen Geister ausgetrieben, die Wintergeister vertrieben werden.
  • Mit lauten Spring- und Stampftänzen sollen Tiere und Pflanzen wieder geweckt und zur Fruchtbarkeit angeregt werden. Je höher die Perchten springen, desto höher wachsen die Pflanzen. Unterbleiben die Tänze, wird es ein unfruchtbares Jahr. Einige Bewegungen und Sprüche weisen dabei auf die wieder länger werdenden Tage hin.
  • Gesungene und gesprochene Segenswünsche sollen den Menschen im kommenden Jahr Glück und Wohlstand bringen.
  • In den aufgesagten Sprüchen erscheint auch immer wieder ein aggressives Betteln (um Krapfen oder Geld), das seinen Ursprung wohl ebenfalls in den Härten der Wintermonate hat, in denen Tagelöhner auf das Wohlwollen der Besitzenden angewiesen waren. So ist – meiner Meinung nach – inhaltlich nicht viel Unterschied zwischen dem Rauhnachtsspruch: Krapfa raus, Krapfa raus, sonst stech ma enk a Loch ins Haus und dem Halloween-Spruch: Süßes, sonst gibt’s Saures!

Literatur:
Schweiggert, Alfons: Winter- und Weihnachtsgeister in Bayern. Dachau 1996 (ISBN 3-89251-231-0)
Perschten-Stiftung: Perchtenbrauch in Bayern. Freising 2004 (ISBN 3-00-014309-2)